AK Kommunikationstechnik
Effektive Einsätze brauchen effektive Kommunikation. Im Regelfall gibt’s hierfür den Sprechfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) mit ihrem Relaisstellen-Netz im 4m-Band, und den Einsatzstellenfunk im 2m-Band. Und auch die üblichen Mobiltelefone spielen mittlerweile eine große Rolle im Einsatzgeschehen.
Doch was, wenn im Einsatzraum keine sichere Versorgung mit 4m-Funk besteht, wenn die Einsatzstelle zu großräumig ist, um sie mit 2m-Handfunkgeräten zu versorgen, und auch die Mobilfunkversorgung zweifelhaft ist? Oder wenn der Einsatz zu groß ist, um ihn auf dem einen, dem Rettungsdienst zur Verfügung stehenden Relaisstellen-Kanal zusätzlich zum “Tagesgeschäft” abzuwickeln?
Dann kommt der Arbeitskreis Kommunikationstechnik des DRK Ulm zum Zuge.
Wir sind eine Gruppe von Kameradinnen und Kameraden, die die Liebe zur drahtlosen Kommunikation zusammen gebracht hat. Wir kommen überwiegend aus technischen Berufen (ist aber keine Voraussetzung) und haben alle eine Amateurfunk-Lizenz, weshalb wir allgemein unter der Bezeichnung “die Funkamateure” laufen. Unsere Aufgabe ist es, für Funkprobleme kreative Lösungen zu finden, bei Großeinsätzen die Infrastruktur für die Führungsarbeit aufzubauen, und die Führung bei der Abwicklung des Funkverkehrs zu unterstützen.
Dabei wenden wir das Wissen an, das wir im Beruf und bei unserem Amateurfunk-Hobby gesammelt haben, setzen aber, wo immer es geht, BOS-Kommunikationsmittel ein. Drei Beispiele:
- Der Einstein-Marathon in
jedem September hat sich als feste Größe im Ulmer Sport-Kalender
etabliert. Für das Rote Kreuz auf beiden Seiten der Donau stellt die
Abdeckung der Strecke mit einem dichten Netz an Sanitätsposten, die
Koordination einer ganzen Reihe zusätzlicher Rettungsfahrzeuge und der
Betrieb zweier Plätze für die Notfallversorgung eine große logistische
Herausforderung dar.
Der Arbeitskreis organisiert bei Regierungspräsidium und Innenministerium weitere Funk-Kanäle, errichtet zusätzliche Relaisfunkstellen, baut den Lehrsaal im DRK-Haus in Ulm in eine Einsatzleitung mit zusätzlichen BOS-Funkverkehrkreisen und fünf Funk-Arbeitsplätzen um.
Unser eigenes Funknetz mit Relaisfunkstelle auf Amateurfunkfrequenzen (144 MHz und 430 MHz Band) dient der technischen Koordination und als Rückfall-Ebene; ein Mitglied unseres Teams fährt mit dem Fahrrad hinter dem Läuferfeld her, die GPS-Funkbake im Rucksack übermittelt mit Hilfe des “Automatic Position Reporting System” (APRS), einer Amateurfunk-Anwendung, ständig die Position des letzten Läufers an die Einsatzleitung. - Der Mountain Bike Marathon in und um Obermarchtal im Mai erreicht zwar nicht den Umfang des Ulmer Ereignisses, aber er führt durch idyllische Waldgebiete, in denen es weder BOS-Funk-Versorgung noch Mobilfunk-Abdeckung gibt. Der Arbeitskreis hat hier anhand von topografischen Studien einen Plan erarbeitet, mit dem die Funkversorgung sicher gestellt werden kann. Eine zeitweilig eingerichtete Relaisfunkstelle im 4m-Band (mit dem Segen des Innenministeriums) und eine Kopfstation auf exponiertem Standort zur Übermittlung von Nachrichten im 2m-Band stellen sicher, dass auch bei Notfällen in funk-geografisch schwierigen Lagen stets eine Verbindung zur Einsatzleitung besteht.
- Beim Nabada, dem großen Ulmer Wasser-Umzug im Juli, werden die Notarzt-besetzten Boote von DLRG und Wasserwacht mit APRS-Baken ausgestattet. So hat die “Einsatzleitung Wasserrettung” immer ein aktuelles Bild und kann bei Notfällen stets das nächstgelegene Boot einsetzen. Wer einmal gesehen hat, wie viele “Wasserfahrzeuge” aller Formen und Farben sich an diesem Tag auf der Donau tummeln, wird absehen können, welche Gefährdung durch sich schnell bewegende Rettungsboote entstehen kann und warum es deshalb so wichtig ist, die Fahrt zur Einsatzstelle möglichst kurz zu gestalten. Der Arbeitskreis stattet di Boote aus, sorgt mit einem speziellen Datenfunk-Umsetzer für sichere Verbindungen, und richtet das geografische Informationssystem in der Einsatzleitung ein.
Aber wir können noch mehr … bei mehreren Übungen haben wir Bewegtbilder in hoher Auflösung von der Einsatzstelle zur Einsatzleitung übertragen, oder schriftliche Meldungen per Packet Radio auf Amateurfunkfrequenzen fehlerfrei übermittelt. Und sollten einmal durch eine Naturkatastrophe oder andere Ursache die Kommunikationsnetze großfläch ausfallen: mit unseren Kurzwellen-Frequenzen sind wir, die Funkamateure des AK Kommunikationstechnik, auch dafür gerüstet.
An der Funktechnik interessierte Frauen und Männer sind stets in unseren Reihen willkommen - Amateurfunklizenz ist nicht erforderlich. Wir erwarten Begeisterung für die Sache und die Bereitschaft, an kreativen Lösungen mitzuarbeiten und bei jedem Einsatz ein wenig mehr zu lernen.
Kontakt: Hermann Schumacher, Email: df2dr (at) darc.de

